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holpriger Neustart

…nach so langer Pause

Ponta Delgada, Insel Sao Miguel, Azoren, Ende Juli 2016

Diesmal weniger aus Faulheit oder aufgrund schlechter Internetverbindung. Eher wegen unserer (meiner) nur halbherzigen Überzeugung, dass es notwendig sei, Euch alle laufend mit Berichten über unsere Befindlichkeit zu bombardieren. Ihr würdet nicht glauben, wie wenig abenteuerlich unser Leben die meiste Zeit ist. Keine Rede von Stürmen, einsamen Inseln, Piraten und Überlebenskämpfen. In Sachen Boot geht’s hauptsächlich um lästige Instandhaltung, um zu knappes Budget und andere Belanglosigkeiten, wie bei den meisten anderen “Wassercampern” auch. Wenig berichtenswert, auch wenn behauptet wird, dass wir hier aus Sicht eines “normalen” Alltags etwas betriebsblind wären. Wir (ich) sind einfach zu wenig Segler, um das Abenteuer in der Nautik zu suchen. Viel wichtiger erscheint mir das Meer als solches, auch ohne Segelboote, und vor Allem die Begegnung mit Menschen aller Art – auch nicht zwangsläufig immer mit Seglern.

Trotzdem haben auch wir, wie viele unserer Kollegen, ein gewisses Mitteilungsbedürfnis und wollen – was am wichtigsten ist – den Kontakt zu Euch nicht verlieren.

Wie immer, zuerst ein bisschen Chronik:

Der wunderbar milde Winter in Graz hat uns viel Freude bereitet, aber auch durchgehend beschäftigt. Sofortige Jobsuche (Landleben mit europäischem Standard ist einfach zu teuer für uns; Uli muß wieder Bilder malen), frühlingshaftes Weihnachten mit der ganzen “Gang” auf der Tauplitz, Oma-Hüten, Wildnis roden und auf Anordnung der Behörde wieder aufforsten, gute Freunde endlich wieder besuchen, Neuigkeiten aufsaugen, Parties und Osterfeuer genießen, einen oft verschobenen Ausflug mit dem Bus nach Friaul und zu Debie und Armin nach Bozen machen, sowie natürlich auch etlichen Alltagskram erledigen. Klar, hier jammern wir über Dinge, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind, und auch für uns jahrzehntelang waren, aber trotzdem…

 

Am schönsten war vielleicht zu sehen, dass unser “Kibbutz” in Lahö eine phantastische Verjüngungskur durchgemacht hat. Rund um unsere Jungs und ihre Freundinnen ist eine großartige Gemeinde von ganz lieben jungen Menschen als Nachbarn bzw. Mitbewohnern entstanden. Sogar Babies sind dabei!  Natürlich war die Stimmung auf dem “Werkstattplatz” schon immer fein, aber jetzt sorgt die nächste Generation dafür, dass sich Viele dort wohlfühlen. Danke Euch allen dafür!

 

Neu war auch das Thema Golf, das einen Großteil der Familie infiziert haben dürfte, und was für mich, als bekennenden Nichtsportler, nicht immer nachvollziehbar ist. Wie auch immer – “Schönes Spiel” allen Beteiligten! Ich habe mich eher um den Erhalt bedrohter VW-Bus-Arten gekümmert, und auch sonst in einigem Dreck gewühlt.

 

Irgendwann ist auch die Idee entstanden, nicht mit dem Flieger, sondern – soweit halt möglich – mit dem Auto auf die Azoren zu fahren. Vor allem aus logistischen Gründen, denn die Fracht für Bootsklumpert bzw. Lacke (Gefahrengut) ist teuer. Also einen kleinen fernöstlichen Totalschaden von Ulis Neffen zurechtbiegen und damit zu einer schlußendlich wunderschönen fünftägigen Fahrt nach Portugal aufbrechen.

 

Die zweitausendachthundert Kilometer lange Reise führt uns durch Norditalien nach San Remo, entlang der Cote d’Azur nach Marseille, durch die Provence nach Avignon und Nimes, am westlichen Löwengolf nach Carcassonne und entlang der Pyrennäen bis Biarritz an “unser Meer”, den Atlantik. Mit offenem Mund bestaunen wir den zur Schau gestellten Reichtum von Bilbao im Baskenland, die wunderbaren Strände um Santander, das Hochland und die riesigen Ebenen von Nordspanien, das geschichtsträchtige Salamanca (samt dortigen Dreharbeiten zu einer US-Soap) und erleben schließlich einige Unklarheiten hinsichtlich der Mautgepflogenheiten auf den portugiesischen Autobahnen. Übernachtet haben wir dank “booking.com” immer gut und günstig, von Motels bis zu ehemaligen Grand-Hotels.

Italien:

Marseille:

Provence:

Baskenland:

Spanien:

Portugal:

Der Hafen von Lissabon, von wo aus wir unsere blaue Krachmandel übers Meer verschicken wollten, liegt seit Monaten im Streik, aber schlußendlich finden wir einen “Streikbrecher” in Form einer kleinen Spedition mit ausgesprochen netten Mitarbeitern, die sich um den Fall kümmern. Nach wenigen Formalitäten (statt schriftlichen Bestätigungen für die Übernahme des Autos gibt’s einen Handschlag) unterhalten wir uns mit dem Geschäftsführer hauptsächlich über die Gitarristen in seiner Familie und über Jimi Hendrix.

Viel zu kurz bleiben wir noch in Aveiro und der grandiosen “Brückenstadt” Porto; dann, nach nächtlicher Hotelsuche in strömendem Regen in Lissabon, sitzen wir im Flieger nach Terceira, unserer jüngsten Wahlheimat. Dabei zeigt sich wieder einmal, wieviel man bei einer Reise am Boden vergleichsweise erlebt.

Jetzt sind wir aber schon gespannt, ob unser Boot die diesmal so heftigen Winterstürme gut überstanden hat, was es in Angra Neues gibt und wie es all unseren Freunden hier geht.

Liebe Grüße und bis gleich wieder

Uli & Peer

 

 

 

 

 

One Comment

  1. Was für ein schönes Land zu besuchen! Danke fürs Teilen, ich hoffe, dass ich eines Tages dorthin gehen werde. 🙂

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