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Die Überfahrt nach Amerika

…doch irgendwie aufregend!

Eine coole Crew verläßt uns und neue Freunde kommen hier in Sao Vicente an, um das kommende Abenteuer mit uns zu teilen. Endlich einmal unser Sohn Lucas, mit seinem guten Freund Wolfi, einem jungen Anwalt (der zum ersten Mal überhaupt segelt!), sowie die alten Haudegen Ali und Pidi, die uns ja schon auf der Strecke Cadiz/Las Palmas so angenehm begleitet haben. Wir freuen uns sehr über diese Top-Besetzung! Vorerst müssen wir Voodoochile aber dringend einmal putzen, Vorräte ergänzen und noch etliche kleinere Reparaturen erledigen. Streß! Pidi hat in letzter Minute vor ihrem Abflug von unserem ewigen Helfer Thomi (Fa. Palmetshofer Nautik, OÖ, herzlichen Dank!!!) noch einen Ersatzcomputer für unseren ewig streikenden Autopiloten mitgebracht; der muss noch eingebaut werden und es wird sich zeigen, ob’s dann funktioniert. Über den Teich per Hand zu steuern wäre wirklich das Letzte.

Zuerst springen sie aber einmal ins Meer, holen sich den ersten Sonnenbrand und checken dann die “Floating Bar”. Danach zeigen wir ihnen das Bisschen, das wir von der Gegend kennengelernt haben, und auch die “Kinder” sind tief beeindruckt von der Schönheit des Landes und der Freundlichkeit der Leute hier.

Auch lernen wir einige neue Segler kennen, die hier auf ihren Absprung warten, oder auch etwas zerzaust die begonnene Überfahrt von den Kanaren unterbrechen. Unter ihnen vor allem das ganz besonders liebe Pärchen Dietmar und Martina aus Kärnten, die – tief enttäuscht vom Verhalten ihrer bisherigen Crew – überlegen, ob sie ihre Reise trotz einiger Unzulänglichkeiten am Boot zu zweit fortsetzen wollen. (Sie haben’s dann übrigens gewagt und sind wohlbehalten und glücklich in der Karibik angekommen. Wir freuen uns mit ihnen und gratulieren herzlich!). Außerdem treffen wir unsere alten Freunde Petra und Herbert aus San Giorgio mit ihrer stolzen “Kallisto” – ein genialer Grund zum Anstossen bei einem wunderbaren Abendessen, zu dem wir bei ihnen eingeladen werden.

Insgesamt liegt etwas Nervosität über dem Hafen, die meisten haben’s eilig, und vielerlei Gerüchte kursieren über das Wetter und das Schicksal anderer Yachten. Wir fühlen uns fit und sind voller Tatendrang, aber der Wetterbericht sagt für die nächsten vier Tage umlaufende, schwache Winde voraus, manchmal sogar aus Westen – natürlich ein No Go. Aber da man immer Gründe finden kann, die Abfahrt zu verschieben, beschließen wir abzuhauen, auch wenn viele andere Boote noch abwarten. Nach einer letzten Nacht vor Anker laufen wir aus in dem Bewußtsein, dass wir nun für einige Zeit kein Land mehr sehen werden. Umdrehen ist im Passat kein Thema.

In der Düse zwischen den Inseln kommen wir noch flott voran, aber schon in der ersten Nacht verläßt uns der Wind und dafür empfängt uns sehr unangenehme Kabbelsee, die uns von einem Eck ins andere schmeißt. Die Angst vor Seekrankheit geht um, aber wir bleiben weitgehend verschont. In der Folge versuchen wir zu segeln, müssen schließlich aber doch den Motor starten. Nach zehn Stunden geht uns der Lärm so auf den Geist, dass wir uns die zweite Nacht einfach treiben lassen. Um diesem Flautenloch auszuweichen, sind wir ziemlich weit nach Süden ausgewichen, was sich als gute Taktik erwiesen hat, und am vierten Tag setzt endlich der Passat ein – und nicht zu knapp. Unter gereffter, ausgebaumter Genua laufen wir mit fünf bis neun Knoten.

Nachdem alle ihren Rythmus gefunden haben, genießen wir die Rauschefahrt. Plaudern, Ratespiele, vergebliches Angeln, viel Schlafen, Musik, Grundsatzdiskussionen. Uli bekocht uns jeden Tag so abwechslungsreich es auf einem Boot halt geht und ignoriert dabei tapfer die manchmal aufkommende Seekrankheit. Geduscht wird mit dem Kübel am Achterdeck – wir haben trotzdem nicht gestunken, außer Ali und ich, nachdem wir im Maschinenraum den Ozean mittels einer Notreparatur am Eintritt durch unsere beschädigten Auspuffe gehindert haben.

Das Wetter bleibt mas o menos zwei Wochen lang gleich: 25 Knoten Grundwind bei 2-3 Meter Welle, in den (häufigen) Regenböen bis zu 40 Knoten Wind und bis zu 6 Meter Seegang; das dauert aber nie sehr lange. Insgesamt sehen wir auf der 2.180 Meilen langen Fahrt genau EIN Schiff, eine Handvoll Delphine und sonst nur schöne Sonnenauf- und Untergänge. Lediglich die Fliegenden Fische müssen jeden Tag vom Deck geklaubt werden. Der Autopilot steuert bis auf einige Minuten die ganze Zeit phantastisch (Heureka!!!), was bei dem Seegang an ein Wunder grenzt. Dafür braucht er aber unseren ganzen Strom und die täglichen Sundowner (mehr war nicht erlaubt) bleiben meist ungekühlt. What shall’s!

Nach 16 Tagen Landfall vor Antigua! Wir sind sehr glücklich, dass alles gut gegangen ist, könnten aber – Originalton Crew – durchaus noch weiterfahren. Die Eleganz des Einlaufens in English Harbour wurde etwas durch die Tatsache getrübt, dass wegen dem offensichtlich zu dreckigen Diesel von den Kanaren keiner unserer Motoren mehr anspringen wollte. Per Funk organisieren wir Schlepphilfe und legen schließlich in diesem “Museum” an.

Erst einklarieren, dann Regenguß und dann 3 bis 9 Biere….

In den nächsten Tagen wird gefeiert (teilweise ziemlich heftig), Voodoochile wird weihnachtlich geschmückt und vieles wird nicht mehr ganz so tierisch ernst genommen. Wir schauen uns die nette Insel an, werden überall freundlich empfangen und am heiligen Abend blödelt Uli sogar mit Dustin Hoffman, der hier mit seinem Riesenboot liegt. Langsam wird uns bewußt, dass man diese Strecke durchaus auf einem Globus einzeichnen könnte und wir sind doch ein Bisschen stolz!

Einige Tage später fahren wir noch die (lächerlichen!) 110 Meilen nach Sint Maarten weiter, wo die billigsten Flüge zu bekommen sind.

Pidi, Wolfi, Ali & Lucas: es war uns eine Ehre, unter Euch gedient zu haben! Jederzeit wieder! Wir wünschen Euch eine gute Heimreise und einen schrecklich kalten Winter!

Wir bleiben in Kontakt

Uli & Peer

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