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done!!!

…transatlantik von West nach Ost

 

Was man dafür benötigt: angemessenen Respekt und doch den Wunsch, es zu tun, etwas gelerntes Handwerk, möglichst akribische, ja fast pedantische Vorbereitung, Vertrauen ins Boot, die Bereitschaft zu wenig Schlaf, Geduld und Demut, sowie eine Crew, auf die man sich nach jeder Freiwache freut.

In diesem Fall waren das Xandi, den Ihr ja schon kennengelernt habt, mit dem mich jetzt eine schon 45jährige (shit!) Freundschaft verbindet, und der – zu unserem Glück – sehr gerne einmal die Erfahrung einer langen Seereise machen wollte. Es war schön, seine Freude an der scheinbar grenzenlosen Natur zu beobachten, die täglich von ihm unter manchmal schwierigen Bedingungen zubereiteten Mahlzeiten zu genießen und zu erleben, wie weit er sich auf andere Menschen einläßt.

Und dann war da meine erste persönliche Begegnung mit Armin aus Südtirol, ein jahrelanger Email-Freund, ein Profi-Skipper, der normalerweise unter wesentlich härteren Bedingungen (winterliche Biskaya) segelt, zigtausend Meilen auf dem Buckel hat und neben seiner Kompetenz immer Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Bescheidenheit eingebracht hat, auch wenn er in manchen Fällen etwas mehr Segeltuch als von mir verordnet stehen gelassen hätte…

 

Das Ganze war also schon halb gewonnen, nur der Abschied von Martina, Dietmar, Brigitta und Horst bei einem wunderbaren Abendessen auf der “Mauna Loa” war natürlich traurig.

Zuerst segeln wir rund 800 Meilen nach Norden, fast bis zur Insel Bermuda, um aus dem Passatgürtel herauszukommen; danach können wir auf Ostkurs gehen und kommen auch recht gut voran.

 

Wir begegnen einigen Yachten, die teilweise sportlich segeln oder auch nur in der großen Dünung schaukeln. Mit allen haben wir zur gegenseitigen Freude Funkkontakt, auch mit einigen großen Frachtern. Als das Prepaid-Guthaben unseres von Erich (danke!) ausgeborgten Satelliten-Telephons, mit dem wir unterwegs von Uli, Lucas und Heinz aus Österreich Wetterberichte bekommen, ohne große Vorwarnung zu Ende geht, hilft uns auch die Berufsschiffahrt aus: Kapitän Oleg Grebelny vom Tanker “Energy Pride” schickt auf unsere Bitte sofort ein Email an Uli, damit sie Bescheid weiß und unser Sat-Konto wieder aufstocken kann. At this place many thanks to the crew of M/V Energy Pride for the kind support – always fair winds!

Neben unglaublichen Sonnenauf- und Untergängen bereiten uns vor allem die vielen Begegnungen mit Walen und Delphinen jeder Größe richtige Freude. Schön, dass es offensichtlich doch noch eine große Zahl davon im Atlantik gibt – nicht nur Portugiesische Galeeren und sonstige Quallen.

 

Die tägliche Routine mit naturgemäß etwas Schlafmangel läßt die Tage schnell vergehen, wir tratschen, blödeln, essen gut und beobachten jede einzelne Wolke, aus der eine Regenbö werden könnte. Zweimal zieht eine Front (oder etwas Ähnliches) über uns drüber, einmal für mehrere Stunden mit bis zu 30 Knoten Wind, einmal – ganz kurz – sogar in Sturmstärke, wobei unsere brave Vodoochile sogar eine Patenthalse hinnehmen muß, da die Bö uns so schnell von der Seite überfällt, dass wir den Autopiloten nicht rasch genug ausschalten können. Anyway, sie hat’s weggesteckt und wir auch. Ohnehin sind wir die ganze Strecke ja unter sehr wenig Tuch und ziemlich langsam gelaufen, da unsere betagte Genua bereits Auflösungserscheinungen zeigt.

Gegen Anfang der dritten Woche kommt plötzlich moderater Ostwind auf, in dem wir in dreieinhalb Tagen nicht mehr als 40 Meilen aufs Ziel machen (nach anfänglichem Etmal, also der gesegelten Strecke von einem Mittag zum nächsten, von über 170 Meilen). “Mit Gewalt zur Geduld zwingen” ist das Motto.

Landfall nach 24 Tagen und nach ca. 2600 Meilen! Xandi, der noch ziemlich verschlafen am Morgen an Deck kommt, sieht die Umrisse der Insel Faial zuerst auf der dunstigen Kimm. Gegen 3 Uhr in der Früh liegen wir schließlich am Tankstellen-Dock in Horta. Trotz Müdigkeit und Landkrankheit gehen wir – nachdem Voodoochile erstversorgt ist – doch gleich noch in “Peter’s Cafe Sport”, ein weltberühmter Seglertreffpunkt. Dort herrscht trotz der frühen Morgenstunde noch ein Riesenauflauf der Inseljugend und natürlich von vielen Seglern, über die ganze Straße verteilt, und ein ziemlich guter Gitarrist spielt von Punk bis Rock’n Roll. Interessanterweise hören wir gleich eine coole Version von “Voodoochile”!!! Wir trinken jeder drei Biere. Für mich ist das an diesem Abend etwas zuviel…

 

Unterwegs haben wir erstaunlich wenig philosophiert, aber jeder von uns hat sich natürlich während seiner langen Wachstunden Gedanken über alles Mögliche gemacht, oft auch über zu Hause, die Familie und den Partner, den er vermisst.

Eher ausnahmsweise und ganz facebook-mäßig werde ich mich jetzt einmal weit aus dem Fenster lehnen:

Beim stundenlangen Betrachten des Meeres ist mir aufgefallen, wie dieses in vielerlei Hinsicht meiner Beziehung zu Uli gleicht. An der Oberfläche sieht man die unstete Windsee, oft kabbelig und durcheinander, manchmal freundlich gekreuselt und manchmal auch zu wilden Pyramiden aufgetürmt. Darunter aber liegt die mächtige Dünung aus Westen, die auf ihrer langen Reise schon so viel erlebt hat. Das ist unsere tiefe Verbundenheit und Liebe. Obrigado! (Danke auch dafür, dass Du während dieser Zeit Deine eigenen Sorgen zurückgestellt und immer versucht hast, uns via Satellit anzufeuern!).

Im Augenblick liegen wir im Hafen von Angra do Heroismo auf der Insel Terceira (Azoren natürlich). Die Menschen sind ausgesprochen freundlich, das portugiesische Stadtbild ist pittoresk und die Insel ist sauberer als Österreich.

Weitere Berichte gibt’s bald, nachdem wir eingerichtet sind.

Liebe Grüße an alle

Peer

 

3 Comments

  1. Armin says:

    Danke Dir lieber Peer, für den wunderschönen Tripp, Deine sehr auf Sicherheit bedachte und nachhaltige Schiffsführung, Deine herzliche Art und Dein Vertrauen.
    Uli und Du habt Euch mit der Voodoochile ein sehr sicheres Zuhause geschaffen.
    Mit Deinem Weitblick gelingt es Euch sicher noch sehr sehr viele Meilen in Euer Kielwasser zu ziehen.
    Always fair winds
    Armin

  2. Gabriele Pammer says:

    Hallo Peer!
    Dank Deiner unvergleichlichen Beschreibung bin ich immer ein wenig mit und bei Euch an Bord. Auch wenn zur Zeit die Möglichkeit fehlt physisch dabei zu sein, in Gedanken bin ich ein ganzes Stück mit Euch gefahren. Drück Dich fest (Uli kann ich ja zur Zeit echt drücken) und freue mich auf einen ausgiebigen Reisebericht wenn wir uns wiedersehen.
    Herzlichst, Gabi

  3. gabriele schmoelzer says:

    Hallo Peerli
    Es freud mich das du mein Schwesterlein so lieb hast ,nur weiter so! Sie kann eine ganz Liebe sein,und hat mir mit meinen Rückenschmerzen (Therapeutin) gut geholfen.
    Bussi Gaby

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