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wir fühlen uns eingeladen

…zu längerem Verweilen

Betrachten wir die winzige Marina des “heldenhaften” Städtchens Angra do Heroismo von einem der umliegenden Hügel aus, so sehen wir unsere Voodoochile wie eine rotweiße Glucke inmitten der Schar kleinerer Küken, friedlich und gut aufgehoben in diesem Stall. Fast wie in einem privaten Hafen, mit eigener Kirche, zwei großen Festungen daneben, eigener Bar und so freundlichen Nachbarn. Das Wasser rund ums Boot ist sauber genug zum Baden und jeden Morgen bekommen hunderte Fische von uns altes Brot zum Frühstück. Der große Barrakuda dabei verweigert diese Diät aber.

 

Mittlerweile werden wir auf der Straße schon manchmal gegrüßt; aus dem Eisenwarengeschäft, vom Barkeeper, von den Walfisch-Männern oder von einem der wenigen, hauptsächlich französischen Yachties. Ausgehend von Angra, wo wir die Gäßchen erkunden und mehrmals unseren Hausberg, den Monte Brasil, besteigen, ziehen wir immer größere Kreise auf Terceira.

 

Leider sind die meisten Wanderwege nicht mit dem Bus erreichbar, aber da das Leben hier wirklich billig ist, reißt das Leihauto diesmal kein so großes Loch in die Bordkasse. Manchmal ist’s neblig im Hochland, und manchmal haben Kühe Vorrang auf der Straße, aber auf jeden Fall sind wir begeistert, von der eindrucksvollen vulkanischen Landschaft, von den Hochmooren, den gut aufgeschlossenen Höhlen, den Hortensienhecken am Straßenrand, den subtropischen Märchenwäldern und der schon erwähnten unglaublichen Sauberkeit. Immer wird irgendwo gemäht, geputzt oder gepinselt, als liefe ein Dauerwettbewerb ums schönste Blumendorf.

 

An der Westküste, bei Serrata, kraxeln wir 400 Höhenmeter durch Farne, Schluchten und dunklen Wald, im Norden wandern wir entlang der wilden Steilküste und in der Inselmitte über die Hochebene des “Mistério negro”, wo Sumpf, subtropischer Urwald und Lava-Wüsten sich abwechseln.

 

Eigentlich bin ich ja kein so extremer Fußmarsch-Fanatiker (in den letzten drei Jahren sind wir sicher mehr gehatscht als in den 30 Jahren davor), aber hier ändert sich das. Nur die alten, glatzerten Crocs müssen nun ernsthaft gegen Wanderschuhe getauscht werden. Durch Zufall bleiben wir bei einem Bauernhof stehen, wo man zwar Kampfstiere züchtet, in der dortigen “Arena” wird aber eher Fußball gespielt und daneben mit den Nachbarn gegrillt. Übrigens gibt’s fast täglich Stierkämpfe, die aber unblutig sind und bei denen die Bullen an der Leine geführt werden. Trotzdem ist es eine eher rauhe Unterhaltung für die mutigsten der Burschen. Wenn’s regnet oder die Sicht nicht so toll ist – was durchaus vorkommt -, dann gehen wir ins Museum, in eine Kirche oder sitzen einfach wo ‘rum und saugen die Bilder des Lebens hier auf.

Im Rathaus erklärt man uns freundlich, wie einfach wir hier “Residents” werden können, beim Zahnarzt repariert man mir ohne Probleme einen “hoffnungslosen” Fall, am Tennisplatz wird Uli sofort in die Gemeinschaft integriert und bei Rosa, einer pensionierten Sprachlehrerin, nehmen wir neuerdings Portugiesisch-Stunden. Das ist allerdings ein fast aussichtsloses Projekt, denn die Sprache der Insulaner hier ist uns einfach unbegreiflich. Die Stadt bemüht sich, den wenigen Touristen laufend irgendein Event zu bieten und so erleben wir fast allabendlich teils sehr feine und teils weniger begabte Musiker; sogar eine Modenschau gibt’s zu sehen, mit Desigual-Fetzen und Brautkleidern in Übergrößen, die portugiesischen Königinnen alle Ehre gemacht hätten.
Mit dem Bus gelangen wir ins zweite Städtchen von Terceira, nach Praia da Vitoria, zum dortigen langen Badestrand, oder abends ins lustige “Philharmonika-Konzert”.

Wir spüren schon, dass wir hier eine wundervolle Zeit verbringen werden – auch wenn wir diesen portugiesischen Kauderwelsch niemals erlernen werden.

Liebe Grüße an alle, wir bleiben in Kontakt
Uli & Peer

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