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Zu einer Art Parallel-Religion

…hat sich im Mittelalter auf Terceira der Heiliggeist-Kult entwickelt

Die allerkatholischste “offizielle” Kirche war davon verständlicherweise nie wirklich begeistert, konnte dieses bunte Brauchtum, das sich nur auf unserer Insel erhalten hat, aber auch bis heute nie richtig verhindern.
Die 69 interessanten “Impérios”, die Heiliggeistkapellen, wurden in ihrer heutigen Form hauptsächlich Anfang des 20. Jahrhunderts von den jeweiligen Gemeindemitgliedern errichtet.

Mit ihren teilweise knallbunten Fassaden erinnern sie – bitte ohne jegliche Geringschätzung! – manchmal an die Buden des Böhmischen Praters in Wien. Sie werden von den Leuten mit unendlicher Liebe erhalten und gepflegt. Richtige Volksarchitektur.
Sinn der Sache ist die Speisung der Armen, die Wahl des Heiliggeist-Königs, und die Bitte um wundertätige Hilfe bei Krankheit und im oft harten Alltag der Insulaner. Nach einem Vulkanausbruch wurde sogar eine Lavazunge im letzten Augenblick durch den heiligen Geist gestoppt. Außerdem ergeben sich so natürlich wieder einige Gelegenheiten zum Feiern…


In den winzigen, aber prunkvollen Haupträumen dieser Kirchlein sieht man die blankgeputzten Kronen, welche bei den alljährlichen Prozessionen zum Einsatz kommen. In den Hinterzimmern werden Heurigenbänke und -tische, sowie große Mengen von Geschirr und Vorräte für die Straßenfeste aufbewahrt.
Traditionell wird dabei die “Heiliggeistsuppe”, ein Eintopf aus dreierlei Fleischsorten (oder Fisch), Kohl und anderem Gemüse, sowie aufgeweichtem Brot serviert. Ist nicht schlecht!

Es gibt sicher blödere Bräuche

Liebe Grüße an alle
Uli & Peer

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