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Los geht’s

…sowohl “schade” als auch “endlich”

 

Keine Details über endlose To-Do-Listen oder tränenreichen Abschied. Wir sind fit und VOODOOCHILE auch einigermaßen, das Wetter ist gut und der Wind sollte nach tagelangem Warten endlich von hinten kommen. In aller Früh laufen wir hinter “Plucky Lady”, der schönen stählernen Spray unserer Freundin Debbie, in die Straight of Gib hinein, mitten durchs übliche Verkehrschaos. Unser Ziel ist Rota, im Nordwesten der Bucht von Cadiz, und dann irgendeine Flußmündung an der Grenze zu Portugal, denn wir haben noch einige Tage Zeit bis zum vereinbarten Treffpunkt mit unseren Freunden, die mit uns die Überfahrt auf die Kanaren machen wollen.

Trotz ungünstiger Strömung sind wir schnell aus dem Nadelöhr heraussen und das Kap Trafalgar läßt uns diesmal in Ruhe segeln. Leider quittiert der neue Autopilot, auf den wir so gehofft haben, schon bei wenig Welle den Dienst. Shit! Hoffentlich bekommen wir das noch in den Griff. Am nächsten Morgen stoppt uns ein Schnellboot der Zollbehörde, zwei Typen kommen an Bord und kontrollieren die Papiere. Alles Ok.

 

Abends machen wir im Hafen der hübschen Stadt Rota fest, direkt neben dem großen spanischen Marinestützpunkt. Die maurische Altstadt ist schnuckelig, die Strände phantastisch. Es gibt schon viele spanische Sommertouristen und der Sangria beim Sonnenuntergang über dem Atlantik ist eisgekühlt. Segeln kann manchmal auch schön sein!

Am nächsten Abend hauen wir wieder ab, zwischen vielen Fischern, mit Kurs Ayamonte, ca. 90 Meilen entfernt. Die Nächte sind jetzt sehr kurz, es ist viel wärmer als in Gibraltar, aber die Sicht ist schlecht. Auch müssen wir einige Ölverladestellen, die wegen des seichten Meeres weit außer Landsicht verankert sind, beachten.

Am nächsten Vormittag kommt sehr spät die Küste des Grenzgebietes zwischen Spanien und Portugal in Sicht. Man hat uns die Isla Cristina in einem kleinen Nebenfluß des Rio Guadiana als schönen Ankerplatz empfohlen, aber zum Einlaufen müssen wir noch rund drei Stunden herumkreuzen, denn das Hafenhandbuch gibt in der Flußmündung bei Ebbe stellenweise nur 40 cm Wassertiefe an. Die Einfahrt ist spannend und schließlich werfen wir auf engem Raum zwischen einigen Trawlern und mit einigem Bauchweh unseren Anker in den Schlamm. “Windswept saltmarshes” nennt das Handbuch diesen Platz, und genauso ist es auch. Wildromantisch und schön, aber mit dauerndem Schwell durch Fischerboote jeder Größe. Manchmal, wenn uns die Strömung näher zum Flußufer trägt, zeigt das Echolot 0,0 Meter Tiefe an, und wir erwarten, in der Nacht trocken zu fallen, was aber für VC’s Doppelkiele kein Problem ist.

Mit dem Dinghi gehen wir am nächsten Tag an Land. Isla Cristina ist ein heißer, windiger und interessanter Ort. Mittags ausgestorben, etwas heruntergekommen, aber durchaus charmant. Der Fischfang dominiert eindeutig das Leben hier, und riesige vorzügliche Thunfischsteaks kosten 5 Euro. Den einzigen Internetzugang bietet ein orientalischer Telefon-Shop. Ausgesprochen freundlich sind die Leute hier, auch wenn sich kaum ausländische Touristen hierher verirren.

 

Weniger freundlich ist die Tatsache, dass man uns während unseres kurzen Spaziergangs unseren alten Außenbordmotor gestohlen hat! Gottseidank sprang der offensichtlich wieder einmal nicht an, denn sonst wären die Diebe sicher gleich mit dem ganzen Dinghi abgehauen, was uns ungleich mehr getroffen hätte. Trotzdem ein Wermutstropfen! What shall’s, das Leben ist zu kurz für langen Mißmut. Wir denken hämisch daran, welchen Ärger der hinterlistige Motor den künftigen Besitzern noch machen wird.

Leider rennt uns schon wieder die Zeit davon; wir wären sehr gerne noch weiter nach Portugal getingelt, bevor wir Europa vermutlich für längere Zeit verlassen würden.

Tags darauf laufen wir wieder aus, zurück nach Cadiz, anfangs mit wenig Wind, aber gegen Abend Rauschefahrt mit über 8 Knoten. Damit wir uns eine Marinanacht ersparen, lassen wir uns bei der nächtlichen Ansteuerung der riesigen Bucht von Cadiz Zeit und schleichen langsam flußaufwärts in den REAL CLUB NAUTICO PUERTO SANTA MARIA.

Nur dieser Name ist kompliziert, die Formalitäten sind einfach, die Leute äußerst zuvorkommend und der altehrwürdige königliche Yachtclub bietet neben einem feinen Pool auch ein gutes und billiges Restaurant. Als Draufgabe zu dem doch teuren Liegeplatz gibt’s mehrere Milliarden Mosquitos!

Wir freuen uns schon auf die Ankunft unserer Freunde

Liebe Grüße

Uli & Peer

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